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Working Out Loud

von Christoph Baudson
23.10.2019

Wir benötigen eine grundsätzlich andere Art der Zusammenarbeit um in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung und dem damit einhergehenden Innovationsdruck bestehen zu können. Vorbei die Zeiten, in denen wenige planen und die Masse ausführt, in Zukunft wird jeder Mitarbeiter Verantwortung übernehmen müssen. Selbst das agile Feigenblatt mit dem sich viele Unternehmen schmücken und unverwundbar wähnen, kann sich auf den zweiten Blick als Siegfriedsches Lindenblatt entpuppen - es reicht nicht aus, solche Veränderungen lediglich anzuordnen, sie müssen sich durch Empowerment und Vertrauen in jedem einzelnen Mitarbeiter entwickeln und festigen. Working Out Loud (WOL) ist in dem Bild von Werkzeugen, die hier Unterstützung versprechen, ein weiterer Mosaikstein.

WOL ist dabei sowohl Mindset als auch Methode: Zum einen fungiert es als Kompass, der uns durch Veränderungsprozesse und Persönlichkeitsentwicklungen navigiert, geleitet durch Werte wie EigenverantwortlichkeitHandlungsfreiheit und Selbstverwirklichung, die man aus der New Work Bewegung kennt. Zum anderen bietet WOL, mit dem Konzept der Circles, ein handfestes Trainingsprogramm, das innerhalb von drei Monaten anhand einfacher Übungen hilft, dieses Mindset zu aktivieren. Gerade dieser praktische Aspekt wird oft unterschätzt und vernachlässigt, es muss ein psychologisch sicherer Raum geschaffen werden in dem geübt werden kann, um diese Werte letztendlich im Alltag zu leben. 

Was ist ein Circle?

Ein Circle besteht aus einer kleinen Gruppe von Individuen, in der Regel 4-5 Personen, die sich über einen Zeitraum von drei Monaten einmal pro Woche treffen und WOL "trainieren" - zum einen anhand der im WOL Circle Guide vorgegebenen Übungen, zum anderen durch dynamisches Peer Coaching innerhalb der Gruppe. Ein Circle startet mit einer Übung die die intrinsische Motivation aktiviert, dem Stecken eines persönlichen Ziels das man über den dreimonatigen Zeitraum anstreben wird.

Schnell folgt auch ein weiterer Pfeiler, das Ausbauen und Vertiefen persönlicher Netzwerke. Aus diesem Grund ist es vorteilhaft, eine möglichst diverse Circlegruppe zu haben, so dass sich die Netzwerke der Teilnehmer möglichst gut ergänzen. Als Übung dient hier das Erstellen und Pflegen einer Beziehungsliste, in der sichtbar gemacht wird, wie sich das eigene Netzwerk ausdehnt, sich Beziehungen vertiefen und Vertrauen entsteht - was letztendlich die Erreichung des eigenen Ziels unterstützt.

Im Laufe der drei Monate lernt man darüber hinaus das "Out Loud" arbeiten, also die eigenen Fortschritte unmittelbar zu teilen, um von schnellen Feedbackzyklen zu profitieren und die eigene Motivation hoch zu halten. Geben ist in WOL dabei seliger als Nehmen - die Kunst ist, die eigenen Fortschritte so zu planen, dass sie sofort einen Mehrwert stiften, also ein Beitrag für das eigene Netzwerk sind. Schnell beobachtet man, wie einfach das Halten einer Open Space Session oder das Verfassen eines knappen Blogposts sein kann, und wie mühelos man damit weiterhelfen und einen positiven Impact auf die Unternehmenskultur haben kann.

Werden all diese Aspekte konsequent geübt, erkennt man schnell dass die Arbeit effektiver und müheloser von der Hand geht: Diese positive Feedbackschleife, also ein sich selbst verstärkendes System, geschieht nicht zufällig sondern ist so in WOL angelegt.

Der erste Circle bei REWE digital

Im März 2019 hat sich eine Gruppe neugieriger REWE Digital Kollegen zusammengefunden, um einen WOL Circle zu starten und Erfahrungen mit der Methode zu sammeln. Die Ziele reichten vom Erlernen neuer Fähigkeiten und Erforschen von neuen Technologien, bis hin zum Erstellen von Summer Camp Sessions und ganzen Schulungen. Der erste Circle hat gezeigt, wie schnell sich innerhalb eines Circles Vertrauen entwickelt und persönliches Wachstum passieren kann. Die Abwesenheit gegebener Machtstrukturen erlaubt einen Dialog auf Augenhöhe. Das Zeitinvest ist mit 12 Stunden in drei Monaten überschaubar.

Hier ein paar Stimmen der Teilnehmer aus diesem Circle

"Der WOL-Circle hat mir geholfen Mitstreiter und vor allem viele Interessierte - sogar über die Landesgrenzen hinweg - für mein Projekt zu gewinnen. Die regelmäßigen Treffen haben mich motiviert und geholfen gemeinsam Lösungen und Ideen zu finden, aber auch Ängste, wie z.B. andere Personen einfach mal anzusprechen, zu nehmen."

"Ohne den WOL-Circle wäre es mir wahrscheinlich viel schwerer gefallen auf meine persönlichen Ziele fokussiert zu bleiben. Das wöchentliche Treffen hat nicht nur Struktur, aber auch Spaß gebracht."

"Durch den WOL-Circle konnte ich neue Kontakte knüpfen und mich auf mein Ziel besser fokussieren. Durch das Bewusst machen meiner Beziehungen und den Austausch mit den anderen Teilnehmern habe ich andere Perspektiven kennen gelernt und viele gute Hilfestellungen erhalten, um mein Projekt endlich durchzuführen."

"Der WOL-Circle hat mir geholfen, mein Projekt, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, auch wirklich durchzuführen und nicht immer wieder zu verschieben. Die Vernetzung in neue Bereiche ist super wertvoll und lässt verschiedenste Blickwinkel zu. Die Teilnehmer haben mich sehr bestärkt in meinem Vorhaben - durch das tolle Feedback habe ich mich viel sicherer gefühlt und neue Motivation gefunden. Ich habe mein Projekt endlich umgesetzt."

Gerade laufen bei REWE digital zwei weitere Circles an. Damit hat es eindeutig noch experimentellen Charakter, wobei inzwischen aber schon 40 Personen verschiedene Einführungsveranstaltungen besucht haben und davon ein Dutzend Personen an einem Circle teilnimmt bzw. teilgenommen hat. Wir sind gespannt was sich daraus entwickelt und wie es unsere Kultur verändert.

Ausblick

Wer interessiert ist Working Out Loud einmal selbst auszuprobieren, kann sich entweder einem unternehmensübergreifenden Circle anschließen (z.B. mit dem Circle Finder von Leonid Lezner), oder im eigenen Unternehmen starten. Sebastian Kolberg, einer der Organisatoren des Kölner WOL Meetups, hat dazu ein paar kluge Sätze verfasst die Starthilfe geben. Die WOL Community ist zudem auf Twitter sehr aktiv, unter dem Hashtag #wol bekommt man schnell Feedback. Im Kölner Raum bildet sich gerade eine Community heraus, die unter #wol0221 twittert. Ansonsten lohnt es sich, John Stepper, den Begründer der WOL Bewegung anzusprechen - es ist erfrischend zu sehen wie schnell man mit ihm in Dialog treten kann. 

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